Versuch und Irrtum.

Versuch und Irrtum
"trial and error"
ist eine heuristische Methode, Probleme zu lösen, bei der so lange zulässige Lösungsmöglichkeiten probiert werden, bis die gewünschte Lösung gefunden wird. Die einzige, aber bittere Möglichkeit für einen unbedeutsamen Erfinder, langsam, nach vielen Jahren, ans Ziel seiner Vorstellungen zu kommen.
Der Nomade ist noch in Dir!
lass ihn weiterleben...
Was treibt die Menschen um? Was ist der "Trieb?"
Es ist der Nomade, der immer in Bewegung ist. Er zog von der Sommerweide zur Winterweide und umgekehrt.
Er lebte mit und von der Natur. Er ist immer tätig - irgendwie mit irgendwas...
Unsere harmonischte Bewegung ist die, welche der Bewegung einer Herde, eines Tieres, eines Pferdes angepasst ist.
Fahrrad, Motorrad, Auto sind nur Ersatzobjekte, Projekte einer disruptiven Innovation die uns überrolt, bis zum Kollaps.
Alles weitere nur Ersatzhandlungen. Tief verborgen wirken sie noch immer und verwirren unser zwangsdomestiziertes Verhalten.
Linderung verschafft nur die Bewegung, der Sport, Reisen, Urlaub, oder wie man es auch immer nennen mag.

Stell Dir vor, Du bist ein bestimmtes Automodell mit all diesen Eigenschaften. Im Fuhrpark des Lebens werde diese eingesetzt. Der große Fuhrparkleiter hat aber nicht nur dieses Modell, sondern Tausende verschiedene! Alle vermischt. So trifft sich ein Modell aus der Frühzeit, mit einem Modell der neuesten Entwicklung. Der Prototyp mit dem Oldie, das SUV mit dem Rennwagen, der Traktor mit dem Tesla Modell... Diese Typen trennt aber mitunder eine Entwicklungszeit von 300.000 Jahren!
Je nach Bedarf meistert eine Modellreihe die Anforderungen des Lebens besser als die andere... Verwirrend ist nur dass alle genannten Modelle ziemlich gleich aussehen und in Teilen austauschbar sind.
Würden wir dem Rechnung tragen, gäbe es mehr Verständnis.
All das kann man in der Archäologie finden, wenn man sich informiert.

Ursprung und Historie Biketrolly, etc...
von der Kraxe zum Stecksystem

Diese Woche sass ich am Tisch und mein Golftrolly stand unweit von mir. Ein Golfspieler am Nebentisch sah meinen Golftrolly und bemerkte zu seiner am Tisch sitzende Runde lakonisch: "Eine Sackkarre!"
Ich lächelte leise in mich hinein und ließ die Geschichte von meinem Biketrolly vor meinem geistigen Auge Revue passieren.
Ich beschloss daraufhin wenigstens einige Sätze zur Entstehung des Biketrolly und seinem historischen Hintergrund zu schreiben:

Angefangen hatte es in den siebziger Jahren, als ich als junger Jäger nach Südtirol, ins Ahrntal, Antholzer Tal und ins Gsieser Tal kam, um mit den dortigen einheimischen Jägern auf Gemsen zu jagen.
Ich hatte den Ehrgeiz nicht als zahlender Gast zu kommen, sondern ganz bewusst als ganz einfacher junger Jäger, um die Jagd in den Alpen kennenzulernen. So ersuchte ich auch nicht um einen Abschuss, sondern interessierte mich für den Alltag eines Berufsjägers, der Bergbauern  und deren schwerer Arbeit. Ich bot im Winter meine Hilfe zur Wildfütterung an, was gerne angenommen wurde, denn es war eine höllische Plage Salz und gepresstes Heu an die Fütterungen und Salzlecken zu bringen. Mitunder Lebensgefährlich.!
Hautnah erlebte ich zum ersten Mal den Einsatz der Südtiroler Kraxen. Ein gepresster Heuballen wurde aufgebunden, man hockte sich am Boden und rutschte langsam in die handgeflochtenen, oder gewebten Leinenbänder der Kraxe. dann wurde man aufgerichtet, denn von alleine ging das nicht mehr. Vorsichtig balancierend, mit langem Bergstock ging es in den steilen Bergwald durch hohen Schnee. Nicht selten versank man bis zum Bauch im Schnee. Es war eine schweisstreibende Arbeit und ich war masslos erstaunt, welche Lasten schmal gebaute Südtiroler sicher über Eis und Schnee transportierten. Gegen die Arbeitsleistung der schmalen Südtiroler konnte ich nichts entgegenhalten. Ich war beschämt.

Zumindest mein guter Wille wurde honoriert, wenngleich meine Leistungen weit hinter den der Einheimischen hinterher hinkten. Der erste Gamsabschuss wurde mir von den Jägern angeboten! So war das eine ehrliche und saubere Art und nicht die eines zahlenden Freiers! Viele Gemsen, viele Pirschgänge mit den besten Südtiroler Jägern sollten noch folgen.

Zurück zur Historie:
Mein Interesse für dieses eigenartige Transportmittel war geweckt und ich ließ mir erzählen und zeigen, was zu dieser Zeit noch gang und gäbe in den Südtiroler Tälern war.
Die Kraxen wurden natürlich mit einfachsten Mitteln in Handarbeit hergestellt und es wurden verschiedene Holzsorten verwendet. Birnbaum und Zwetschge kamen dabei vor.
Jahrzehnte verrichtete eine Kraxe ihren Dienst, war sie beschädigt, wurde repariert. Auch die Tragebänder, die Schnüre, Riemen wurden in Handarbeit am Hof hergestellt und ihre Langlebigkeit war erstaunlich.

Über jedes Teil, speziell der raffinierten handgemachten Hilfsmittel der Berbauern könnte man lange und viel schreiben. Auch die raffinierte Art zu befestigen, zu verschnüren, mit handgefertigten Hölzern, Effekte zu erzielen, die einem heutigen Spannriemen gleichkommen, ließe sich trefflich schreiben. Die Südtiroler Bauern waren unglaublich geschicklich und kreativ!
Die Lasten erschienen mir zuweilen unmenschlich! Wurde Heu transportiert, so sah man oft den Träger nicht mehr unter dem Riesengebilde. Mir wurden die verschiedensten Kraxen gezeigt, Kopfkraxen für Händler und Hausierer, kleine Kraxen für Schmuggler auf schmalen Pfaden. Der Erfindungsreichtum der Südtiroler Bauern war bewundernswert, zumal die wunderbarsten Gerätschaften und Gegenstände vorkamen: Spankörbe, Tragekörbe, Schnupftabaksdosen aus Kuhhörnern, gewalkte Kleider, Gamaschen, nur um einige aufzuzählen. Von den teilweise 1.600m hoch gelegenen Höfen wurden Kranke zum Doktor und Verstorbene in der Kraxe zu Tale transportiert. Es gab kein anderes Transportmittel!
Nur ungern trennte man sich von einer Kraxe, denn es gab nie zuviele, oder unnütz herumliegende.
Endlich gelang es mir, meine erste Kraxe aus dem Ahrntal zu erwerben.

Für meine jagdlichen Zwecke baute ich mir meine Kraxe um, denn ich wollte einen Begleiter auf der Jagd für alle Zwecke.
So habe ich die umgedrehte Kraxe als Auflage bei Pirschgängen benützt und etliche Rehböcke damit geschossen. Schwere Lasten, Ausrüstung und auch mein damals kleines Kind getragen.

Als ich beschloss Fahrradfahren zu meinem hauptsächlichen Interessengebiet zu machen, nervte mich immer wieder auf Bahnhöfen, oder verzwickten Situationen, mein Gepäck samt Fahrrad aufteilen zu müssen und nur portionsweise transportieren zu können.
Ich wollte meine Sachen in einem Zuge tragen, die beiden Hände für wichtigere Dinge frei haben! Freie Hände zu haben, wurde mir seit meiner Jugend gelehrt...
Meine Erfahrungen mit der Kraxe dominierten meine Gedanken. So kam es, dass die Kraxe das rollen lernte und nach vielen, vielen, jahrelangen Erprobungen und Veränderungen das heute System entstand. Holz, speziell Schichtholz lässt sich wunderbar verarbeiten, bearbeiten, verändern. Es gibt nichts Vergleichbares. Aus Schichtholz wurden vor siebzig Jahren und mehr- in Emangelung anderer Materialien die ersten Düsenflugzeuge und Raketenflugzeuge gebaut. Kanu, Schiffe, kurzum unglaublich viele Sachen lassen sich mit minimalem Material- und Geldaufwand herstellen. Die Schwierigkeit liegt im Detail. Immer wieder stößt man im Laufe der Jahre des Einsatzes und des Gebrauches auf neue Ideen, die zu Veränderungen führen. Diese kann man dank des Materials einfach und schnell durchführen. Aus Biketrolly entstand Pilgertrolly, Akia, Bootswagen, Cargotrolly, Chuck Wagon, Golftrolly...

Alle haben eines gemeinsam: 12 mm Schichtholzplatte und ein immer gleiches Steckmass im gesamten System!

Viele Teile lassen sich immer wieder anders verwenden. Für mich ein immer wieder spannendes Ereignis, anders zu bauen, neu zu denken, überdenken und probieren.
Scheinbare Selbstverständlichkeiten fielen mir erst nach monatelangen Testreihen wie Schuppen von den Augen! Immer einfacher, immer spartanischer ist die Devise. Kompliziert kann jeder.
Mit einfachsten Mittel kann selbst auf einer Reise modifiziert, repariert werden. Alles ohne Nagel, ohne Schraube, nur mit Spann- und Steckverbindungen, die noch aktuell in jeder Spannsäge und früher auf Segelschiffen geläufiges Befestigungsmaterial waren und in China für die höchsten und abenteuerlichsten Gebilde sorgen. Die Verpackungsstreifen, welche heute in Unmengen eingesetzt und weggeworfen werden, sind ein hervorragendes Spannungsband und eigentlich viel zu schade, um sofort entsorgt zu werden., sie verbinden die Teile des Biketrolly auf ideale Weise. China und Asien sind unsere Lehrmeister. Nicht nur Andre Hellers Bambusmann, auch die höchsten Gerüste und ihre Erbauer lehren uns Demut. Langsam verlieren wir den Kontakt zur Natur und wenden uns in unserer Arroganz nur Metall und Sondermüll zu. Die unendlichen Vorteile der Naturstoffe ignorieren wir und werden dies wohl zu irgendeiner Zeit bitter büssen müssen.

Nach jahrelangem Tüfteln und Erfinden lächelt man nur leise, wenn die tollsten, abwertigenden Bezeichnungen fallen, welche einen früher in Rage versetzt hätten...